Politik

Brief des BMU an Kultusminister Prof. Dr. Ralph Alexander Lorz

Hessisches Kultusministerium

Herrn Staatsminister

Prof. Dr. Ralph Alexander Lorz

Luisenplatz 10

65185 Wiesbaden

 

 

Mainz, 1.3. 2021

 

Sehr geehrter Herr Staatsminister,

 

im Zusammenhang mit der Wiedereinführung des Präsenz- bzw. Wechselunterrichts Ende Februar 2021 haben wir aus den aktuellen Regularien einiger Kultusministerien die an die Schulen gerichtete Aufforderung entnommen, den Unterricht vor allem in der Primarstufe zunächst weitgehend auf die sog. „Kernfächer“ zu beschränken.

Beraten werden Sie als verantwortliche Kultusministerinnen und -minister in der KMK u.a. auch von dem einflussreichen, an leitender Stelle tätigen Bildungsforscher Prof. Dr. Olaf Köller, der sich am 30.01.2021 auf www.zdf.de mit folgender Äußerung hervortat: „Die Kompetenzen in Deutsch und Mathematik sind prägend und zentral für die berufliche Karriere. Und dann muss man in dieser besonderen Zeit auch mal die Kröte schlucken, dass man auf einzelne Fächer verzichtet.“ In einem Interview der „Welt“ vom 03.01.2021 hatte Köller diese Aussage bereits eindeutiger und radikaler vorgebracht: „Auf Fächer wie Musik, Religion oder Sachunterricht müsste man verzichten.“

Als musikpädagogischer Fachverband mit über 5.000 Mitgliedern und Sprachrohr aller Musiklehrerinnen und Musiklehrer in Deutschland, sehen wir solche Bestrebungen äußerst kritisch und möchten hier zunächst auf die in den Bundesländern geltenden Rahmenbedingungen für Präsenzunterricht hinweisen, die ausdrücklich den Regelunterricht in allen Fächern der jeweiligen Stundentafel ermöglichen. Selbstverständlich muss dies auch für den Musikunterricht gelten!

Nachdrücklich distanziert sich der BMU von den Äußerungen Herrn Professor Köllers. Diese einseitige Auffassung von Bildung schadet unseren Kindern und Jugendlichen! Ausgerechnet ein renommierter Bildungswissenschaftler verkennt, dass laut OECD Lernkompass 2030 die „Forschung bis heute nichts [kennt], das die kognitive Leistungsfähigkeit von Kindern in vergleichbarer Weise oder Dimension fördert wie Musik- und Kunstunterricht. Die Beschäftigung mit den Künsten hilft Lernenden auch, Empathie zur Stärkung von emotionalem Engage-ment, von emotionaler Verpflichtung und Beharrlichkeit zu entwickeln.“
Darüber hinaus hat Musik einen Wert an sich. In unserer multikulturellen Gesellschaft ist Musikunterricht nicht nur bildungsrelevant, sondern gesellschaftstragend!

In diesem Sinne appelliert der Bundesverband Musikunterricht an alle Kultusministerinnen und -minister, den Schülerinnen und Schülern in Deutschland auch in Pandemiezeiten ein umfassendes Bildungsangebot zu unterbreiten und sich dafür einzusetzen, dass in den Schulen die vielfachen Möglichkeiten des Musikunterrichts genutzt werden können und dürfen!

Wir möchten Sie bitten, unsere Position auch in Ihre Beratungen innerhalb der KMK mit einzubeziehen und verweisen diesbezüglich auf unsere Pressemitteilung „Verzicht auf Musikunterricht gefährdet die Menschen- und Persönlichkeitsbildung“ vom 26.02.2021 (s. www.bmu-musik.de)

 

Eine eingehende Auseinandersetzung mit der Thematik liefert auch der beigefügte Essay "Wie wir mit Musik lernen müssen, unsere Welt (wieder) zu verstehen!" (25.02.2021) von BMU-Präsident Jürgen Oberschmidt.

 

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Prof. Dr. Jürgen Oberschmidt Dr. Michael Pabst-Krueger

Präsident Präsident

Gespräch mit Kultusminister Prof. Dr. Alexander Lorz am 23.10.2020

Der BMU LV Hessen hat endlich das schon lange geplante Gespräch mit Kultusminister Lorz führen können, das in konstruktiver Atmosphäre zu den folgenden Themen stattfand:

  • BMU-Themen zur Verbesserung der musikalischen Bildung an  den hessischen Grundschulen
  • existenzgefährende Verbote der Corona-Hygienepläne für die Musikpraxis
  •  strukturellen Barrieren, die den Aufbau einer kontinuierlichen musikalischen Bildung in den verschiedenen Schulformen und -stufen behindern
  • Sicherung des Programms "Musikmentoren für Hessen"

Zusammenfassung im Gedächtnisprotokoll

Landesforderungspapier des Landesmusikrats Hessen zur Situation des Musikunterrichts in der Grundschule am 16.10.2020

Musik darf keinem Kind vorenthalten bleiben - Musik stärkt Kreativität und Selbstwirksamkeit. Wie eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung belegt, gibt es jedoch an jeder dritten öffentlichen Grundschule in Hessen keine Musiklehrkräfte. Daher richtet der Landesmusikrat Hessen e.V. mit der Verabschiedung des Landesforderungspapieres einen eindringlichen Appell an die Politik und alle Beteiligten, die musikalische Grundversorgung an hessischen Grundschulen sicherzustellen. Der BMU-Hessen-Vorstand war bei der Erstellung dieses gemeinsamen Landesforderungspapiers durch die Mitglieder des LMR Hessen maßgeblich beteiligt.

Landesforderungspapier des LMR Hessen